Traumrenditen mit Dividendenstrategie: Was ein genauer Blick auf Dividenden verrät

Aktualisiert: Juni 12

Anleger sehen Dividenden oft als einen Weg, um ein kontinuierliches Einkommen zu erzielen. Laufende Einkünfte lassen sich jedoch auch anders erzielen und Anleger sollten beachten, dass sie für dividendenorientierte Portfolios unter Umständen Kompromisse eingehen müssen.


Viele Unternehmen schütten Dividenden in regelmäßigen Abständen an Aktionäre aus (in vielen Fällen vierteljährlich). Die Barmittel zur Finanzierung von Ausschüttungen müssen jedoch irgendwoher kommen. Der Preis einer Aktie kann, wie wir wissen, von erwarteten zukünftigen Zahlungsströmen beeinflusst werden. Wenn ein Unternehmen heute Barmittel in Form einer Dividende an seine Aktionäre auszahlt, können der Preis einer Aktie und die Marktkapitalisierung des Unternehmens entsprechend zurückgehen. Dieses Konzept veranschaulichen wir anhand eines hypothetischen Portfolios A in Abbildung 1. Erhält ein Anleger also eine Dividende, so kann unter ansonsten unveränderten Bedingungen der Wert seiner Aktienbeteiligung sinken.

Überlegungen zur Einkommensgenerierung

Alternativ zu Dividenden können Anleger Einkommen auch einfach durch Aktienverkäufe generieren. In Abbildung 1 vergleichen wir die beiden Methoden der Ertragsgenerierung anhand von zwei gleichwertigen hypothetischen Portfolios: Portfolio A und B. Portfolio A erzielt Einkommen durch eine Dividendenausschüttung, in Portfolio B wird dasselbe Einkommen durch den Verkauf von Aktien generiert. Portfolio A hält nach der Dividendenauszahlung die gleiche Anzahl an Aktien wie zuvor, allerdings gehen wir davon aus, dass diese Aktien an Wert verloren haben. In Portfolio B sinkt die Zahl der Aktien, dafür bleibt jedoch ihr Wert stabil. Beide Methoden führen zum gleichen Ergebnis: Anleger erhalten 100 US-Dollar in bar und der Wert des Aktienportfolios beträgt 1.900 US-Dollar, wobei wir mögliche Handelskosten oder Steuern nicht berücksichtigen. Dennoch kann eine Dividendenstrategie im Vergleich zu der Verkaufsstrategie Nachteile haben. Erstens lag der durchschnittliche Anteil der Unternehmen, die in den USA Dividenden ausschütten, von 1963 bis 2019 bei etwa 52%1, was bedeutet, dass ein Investor, der sich nur auf diese Aktien konzentriert, fast die Hälfte der investierbaren US-Unternehmen verpasst. Eine zweite Überlegung ist, dass der Wert einer Dividende nicht garantiert wird (auch wenn er generell weniger stark schwankt als der Aktienkurs). So haben nach der Finanzkrise, also erst vor zehn Jahren, mehr als die Hälfte der Unternehmen, die Dividenden zahlen, ihre Ausschüttungen entweder gekürzt oder ganz gestrichen.2 Vor Kurzem hat General Electric, ein Unternehmen, das mehr als ein Jahrhundert lang kontinuierlich Dividenden ausgezahlt hat, seine Ausschüttung auf nur einen Cent pro Aktie gesenkt.3 Ebenso hat die britische Vodafone-Gruppe zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten ihre Jahresdividende gekürzt.4 Drittens geben Anleger durch die Verwendung dividendenzahlender Aktien möglicherweise Flexibilität in Bezug auf den Zeitpunkt und die Höhe der Auszahlungen auf. Verkauft ein Anleger dagegen Aktien, kann er Höhe und Zeitpunkt der Erträge selbst bestimmen.

Gesamtrendite

Bei der Auswahl einer Anlage sollten Anleger zudem auf die Gesamtrendite achten, die sich aus Dividendeneinnahmen sowie Kapitalgewinnen (oder -verlusten) zusammensetzt. Eine hohe Dividendenrendite bedeutet nicht automatisch eine hohe Gesamtrendite. In Abbildung 2 sind die jüngsten 12-Monats-Renditen der S&P 500-Indexkomponenten per 31. Dezember 2019 dargestellt. Jeder Punkt steht für ein Unternehmen. Unternehmen mit höherer Dividendenrendite sind durch die Punkte weiter oben auf der vertikalen Achse dargestellt. Wie deutlich zu erkennen ist, waren dividendenzahlende Unternehmen nicht in jedem Fall die Unternehmen mit der höchsten Gesamtrendite.

Bestimmte Anleger mögen besonderen Wert auf ein laufendes Einkommen legen. Andere wichtige Anlageaspekte wie Diversifikation und Flexibilität sollten diesem Ziel jedoch nicht zum Opfer fallen. Bei Aktienverkäufen können – anders als bei Ausschüttungen – Handelskosten und Steuern anfallen. Diese Bedenken können mitunter durch Vorteile eines Investments in Unternehmen, die aktuell keine Dividenden ausschütten, ausgeglichen werden. Um übergeordnete Anlageziele zu erreichen, ist eine dividendenorientierte Einkommensstrategie nicht zwingendermaßen die beste Wahl.

Abb. 2 Quelle: Berechnungen von Dimensional auf Grundlage von Daten von Bloomberg. Für Aktien mit historischen Renditen von weniger als einem Jahr werden die Renditen seit dem frühesten verfügbaren Datum angezeigt. S&P Daten© 2020 S&P Dow Jones Indices LLC, eine Tochtergesellschaft von S&P Global. Alle Rechte vorbehalten. Die Dividendenrendite wird berechnet als die Summe der im Kalenderjahr t gezahlten Dividenden geteilt durch den Preis zum letzten Jahresende (t-1).

Fußnoten

  1. Quelle: Berechnungen von Dimensional auf Grundlage von Daten von CRSP. Aktien werden jeweils Ende Juni als Dividendenaktie klassifiziert, wenn der Emittent in den vorangegangenen 12 Monaten eine Dividende ausgeschüttet hat.

  2. Stanley Black, „Global Dividend-Paying Stocks: A Recent History“ (White Paper, Dimensional Fund Advisors, März 2013).

  3. Janet Babin, „GE cuts dividend to a penny per share. Why bother keeping it at all?“ Marketplace, American Public Media, 30. Oktober 2018.

  4. Adrià Calatayud, „Vodafone cuts dividend after swinging to 2019 loss.“ MarketWatch, 14. Mai 2019.

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