Marktbericht 2021: Erholung unter schwierigen Bedingungen - Teil 3

In letzten Teil unseres Marktberichts blicken wir auf Kryptowährungen und "heiße Aktien" und sehen, wie wichtig Diversifizierung und Flexibilität bei der Geldanlage sind.


IN EINEM DYNAMISCHEN MARKTUMFELD ZÄHLT FLEXIBILITÄT Der Anstieg der Inflation und das Auf und Ab der Infektionszahlen waren nicht die einzigen Schwankungen, die im Jahr 2021 für Aufmerksamkeit sorgten. Viele Anleger beobachteten, wie die Kurse von Bitcoin und anderen Kryptowährungen weiter stiegen – und stellten sich die Frage, ob elektronisches Geld nicht auch ihr Portfolio ergänzen könnte. Doch in den wenigen Jahren seiner Existenz hat sich Bitcoin als außerordentlich volatil erwiesen. In manchen Monaten ist der Bitcoin-Kurs um mehr als 40% gestiegen oder gefallen. Für Trader ist ein Markt mit derartigen Kursausschlägen bestimmt eine interessante Spielwiese. Gleichzeitig eignen sich Kryptowährungen dadurch jedoch kaum als verlässliches Tauschmittel (als Ersatz für Bargeld), als Portfoliobaustein der Risiken reduziert oder als Inflationsschutz dient (als Ersatz für Anleihen), noch als Ersatz für andere Anlagenbausteine in einem diversifizierten Portfolio. Digitale Währungen mögen attraktiv sein für Anleger, die einen Nervenkitzel suchen. Für eine größere Position in einem Portfolio finden sich jedoch aktuell kaum Argumente. Eine weitere Kuriosität ereignete sich gleich zu Jahresbeginn, als Privatanleger und andere Marktteilnehmer den Aktienkurs des Videospielhändlers GameStop in die Höhe trieben (Abbildung 3). Die GameStop-Aktie und andere sogenannte „Meme-Aktien“ profitierten von dem Enthusiasmus dieser Anleger, doch als der Kurs von GameStop zusammen mit seiner Marktkapitalisierung stieg, war die ursprüngliche Small-Cap-Value-Aktie schon bald weder small noch value.


Abbildung 3 - Kursentwicklung GameStop Aktie


Der Fall GameStop zeigt, wie wichtig ein systematischer Anlageprozess ist, der täglich an neue Informationen zu Wertpapieren und ihren erwarteten Renditen angepasst wird. Eine Indexstrategie ist vergleichsweise unflexibel und kann nicht in der gleichen Weise auf Preisveränderungen reagieren, denn ein Index wird konstruktionsbedingt immer nur an Rekonstitutionsterminen angepasst, was zu Stilabweichungen führen kann. In einigen der Small-Cap-Indizes wurde GameStop schnell zur größten Indexkomponente und blieb in der Regel auch Bestandteil dieser Indizes, als der Kurs wieder fiel. Derartige Stilabweichungen lassen sich durch tägliche Anpassungen im Portfoliomanagement vermeiden, denn ein täglicher Rebalancing-Prozess kann die angestrebte Asset-Allokation erhalten, sodass Anleger einfacher höhere Renditen abschöpfen können. Wer nur in wenige „heiße“ Aktien oder Kryptowährungen investiert, setzt sich – wie mit jedem konzentrierten Portfolio – erheblichen Risiken aus. Vielleicht zieht ein solcher Anleger sogar ein paar Mal das große Los. Analysen belegen jedoch, dass dieses Glück selten ein Anlegerleben lang anhält. Für jeden Anleger, der irgendwann zum richtigen Zeitpunkt eine Aktie oder eine Kryptowährung ge- oder verkauft hat, ist ein anderer zum falschen Zeitpunkt ein- oder ausgestiegen.


EIN REKORD, DANN NOCH EINER... In ähnlicher Weise interpetieren einige Anleger neue Kursrekorde als Signal für überbewerte Aktien oder Plateaubildung. Aktuell können solche Bedenken besonders schwer wiegen, denn der S&P 500 Index hat im Jahr 2021 nicht weniger als 75 Schlussrekorde aufgestellt (gemessen an der Gesamtrendite). Betrachtet man jedoch die durchschnittliche Wertentwicklung über 1, 3 und 5 Jahre nach einem neuen Kursrekord per Monatsende, kommt man zu einem überraschenden Ergebnis: Sie underscheidet sich nicht wesentlich von der Wertentwicklung in jedem anderen 1-, 3- oder 5-Jahres- Zeitraum. Ein Blick auf die monatlichen Schlusskurse des S&P 500 Index zwischen 1926 und 2021 zeigt zum Beispiel in 30% der Fälle, also in fast jedem dritten Monat, neue Kursrekorde. Die durchschnittlichen annualisierten Gesamtrenditen des Index in den folgenden Jahren reichen von über 14% (im darauffolgenden Jahr) bis über 10% (in den darauffolgenden fünf Jahren) – und unterscheiden sich damit nicht wesentlich von den durchschnittlichen Renditen über einen beliebigen anderen Zeitraum gleicher Länge. Anders ausgedrückt: Kursrekorde bedeuten nicht, dass ein Bärenmarkt bevorsteht. Aktien werden immer so gepreist, dass eine positive Rendite – und damit auch regelmäßige Kursrekorde – zu erwarten sind. Diese Beobachtung verdeutlicht erneut die Macht der Märkte. Anleger können weder das Ende einer andauernden Krise noch Art oder Zeitpunkt der nächsten Krise vorhersagen, die Märkte jedoch blicken immer optimistisch nach vorn. Die Zukunft wird uns vor neue Herausforderungen stellen, doch anstatt zu raten, was wohl passieren wird, können Anleger auf die Märkte und ihre langfristigen Perspektiven vertrauen. Das Jahr 2021 hat uns die Bedeutung von Disziplin und Diversifizierung, von Planung und Ausdauer in einem (wie in jedem anderen Jahr auch) unsicheren Marktumfeld vor Augen geführt. Zu Beginn des neuen Jahres kann ein Blick zurück helfen, sich auf die Zukunft vorzubereiten.


Gerne sprechen wir zusammen mit Ihnen darüber, welche finanzielle Strategie für Ihre Zukunftsplanung zielführend ist. Kommen Sie gerne auf uns zu!


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