Marktbericht 2021: Erholung unter schwierigen Bedingungen - Teil 1

In einem 3-teiligen Beitrag blicken wir auf das Jahr 2021 zurück


AUF EINEN BLICK

Die Aktienmärkte setzten ihren Aufschwung auch im Jahr 2021 fort, der S&P 500 Index konnte seinen bisherigen Rekordstand gleich mehrfach brechen und beendete das Jahr nur knapp unter seinem Allzeithoch.

Wie schon 2020 beherrschte die Pandemie die Schlagzeilen, mittlerweile sorgen jedoch auch die steigende Inflation und ihre möglichen Folgewirkungen für Aufregung.

Auch Volatilität prägte das Bild in zahlreichen Märkten, von Kryptowährungen bis hin zu sogenannten Meme-Aktien, und verdeutlichte die Bedeutung von langfristiger Planung und Flexibilität in einem unbeständigen Marktumfeld.


2021 war ein Jahr der Ungewissheit und der Vorfreude, der Hoffnung auf eine Rückkehr zu so etwas Ähnlichem wie Normalität. Und 2021 hat einmal mehr gezeigt, dass sich Anlageentscheidungen kaum auf Grundlage von Marktprognosen treffen lassen und wie wichtig Diversifizierung und Flexibilität sind. Nach dem volatilen Vorjahr suchten die Anleger nach Anhaltspunkten für den Kurs der Weltwirtschaft. Mit dem Start der Impfkampagnen und der Aufhebung der Lockdowns erholte sich die Wirtschaft zunächst, doch der Aufschwung geriet bald durch neue Virusvarianten ins Stocken. Trotz dieser Probleme wuchs die weltweite Wirtschaftsleistung, ging von der Erholungs- in eine Wachstumsphase über und konnte schließlich ihr Vorkrisenniveau ein- und überholen.


Begleitet wurde der Aufschwung allerdings von Fachkräftemangel, unterbrochenen Lieferketten und steigender Inflation. Besonders schnell stiegen unter anderem die Preise von Lebensmitteln und Energie, sodass der US-Verbraucherpreisindex nach dem größten Anstieg seit fast 40 Jahren im November um 6,81% über dem Niveau des Vorjahres lag. In den Medien wurde viel über die Inflation gesprochen, woher sie kommt, wohin sie geht, wie lange sie bleibt, und was man gegen sie tun könnte oder sollte. (Für Anleger könnte in diesem Zusammenhang interessant sein, dass viele Vermögenswerte in der Vergangenheit auch in Zeiten überdurchschnittlicher Inflation positive Realrenditen abgeworfen haben.) An den Aktienmärkten sind die Kurse relativ kontinuierlich gestiegen: Die Aktien großer US-Unternehmen beendeten das Jahr nur knapp unter ihrem absoluten Höchststand, der S&P 500 Index warf eine Rendite von 28,71% ab. Positive Einflüsse hatten neben effektiven Impfstoffen auch andere Faktoren, darunter robuste Unternehmensgewinne und höhere Verbrauchernachfrage. Die Konsumausgaben stiegen im Laufe des Jahres und erholten sich von der Pandemie, infolge konnten US-Unternehmen das dritte Quartal mit Rekordgewinnen beenden, sowohl in US-Dollar als auch im Verhältnis zum BIP (11%). Auch in anderen Märkten stiegen die Kurse wieder (Abbildung 1), trotz einiger Rückschläge. Nach einem robusten Start ins neue Jahr stieg in der zweiten Jahreshälfte die Volatilität, dennoch bewegten sich die Aktienkurse nahe an ihren Rekordwerten. Weltweite Aktien, gemessen am MSCI All Country World Index3, legten um 18,54% zu; internationale Aktien aus entwickelten Märkten, die im MSCI World ex USA Index enthalten sind, stiegen um 12,62% und damit deutlich stärker als die Aktien aus Schwellenmärkten. Der MSCI Emerging Markets Index fiel um 2,54%.


Abbildung 1 - Ruhe im Sturm

In USD. MSCI All Country World Index (Nettodiv. reinv.). MSCI Daten © MSCI 2022.


Value-Aktien (Aktien mit niedrigeren relativen Preisen) profitierten von der Erholung der Wirtschaft und steigenden Zinsen und legten zu Jahresbeginn deutlich zu. Im weiteren Verlauf des Jahres konnten Growth-Aktien jedoch aufholen, nachdem die Delta-Variante die Infektionszahlen wieder steigen ließ und die Sorgen zurückgekehrt waren, die die Märkte schon in der ersten Hälfte des Jahres 2020 beherrscht hatten. Langfristig haben Value-Aktien im Allgemeinen besser abgeschnitten als Growth-Aktien (gemessen an der durchschnittlichen annualisierten US-Valueprämie seit Juli 1926 von 2,66%), doch Prämien können bisweilen über lange Zeiträume ausbleiben. Dennoch belegen Daten aus knapp hundert Jahren, dass Value-Aktien höhere erwarteten Renditen abwerfen. Und hohe Value-Prämien tauchen oft geballt auf, so auch Ende 2020 und Anfang 2021. An den Anleihenmärkten fielen die Renditen schwächer aus als am Aktienmarkt, der Bloomberg Global Aggregate Bond Index beendete das Jahr mit einem Minus von 1,39%. 2020 waren die Bonitätsrisikoaufschläge gestiegen, Ende 2021 lagen sie jedoch unter dem Niveau vor Ausbruch der Pandemie. Mit Unternehmensanleihen konnten Anleger 2021 meist höhere Renditen erzielen als mit Staatsanleihen. Die Streuung zwischen den beiden Anleihenklassen war deutlich geringer als im Vorjahr, globale Unternehmensanleihen konnten Staats- und staatsnahe Anleihen um 0,82% übertreffen.

Da jedoch die tatsächliche Inflation deutlich über den Erwartungen lag, fielen auch die Renditedifferenzen zwischen inflationsgeschützten und nominalen Anleihen entsprechend hoch aus. Die fünfjährige Breakeven-Inflationsrate stieg von 1,95% auf bis zu 3,17% und beendete das Jahr bei 2,87%.5 Nominale US-Treasuries warfen eine Rendite von -2,32% ab, US Treasury Inflation Protected Securities (TIPS) dagegen 5,96%. Die globalen Zinsstrukturkurven beendeten das Jahr im Allgemeinen höher und steiler, als sie es begonnen hatten. US-Treasury-Zinsen zum Beispiel stiegen und insbesondere bei mittleren Laufzeiten. Anleihen mit längeren Laufzeiten entwickelten sich gegenüber Kurzläufern im Allgemeinen unterdurchschnittlich; US-Treasuries mit mittlerer Laufzeit beendeten das Jahr mit einem Minus von 1,72%, kurzfristige Laufzeiten dagegen mit einem Plus von 0,04%.

Der folgende Teil 2 beschäftigt sich mit dem Thema Inflation und Schulden


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