Aktienkurse und die Angst vor dem Rekordhoch

Rekordkurse an den Aktienmärkten sind für Finanzjournalisten häufig ein willkommener Anlass, um durch den Verweis auf die Gesetze der Physik Angst zu schüren. Nach dem Motto: Runter kommen sie alle.

Aktien sind jedoch keine schweren Gegenstände, die durch große Anstrengung in der Luft gehalten werden müssen. Vielmehr stellen sie einen zeitlich unbegrenzten Anspruch auf Teilhabe an den Gewinnen und Dividenden eines Unternehmens dar.

Wenn wir von einer Aktie eine positive Rendite erwarten, ist es nur logisch, dass sie irgendwann einen Rekordstand erreicht.


Anleger betrachten Rekordkurse oft zwiespältig: Sie freuen sich über den Wertzuwachs ihrer Aktien, befürchten jedoch, höhere Kurse könnten Vorbote eines dramatischen Einbruchs sein. Also zögern sie, weitere Aktien zu kaufen, legt doch die alte Börsenweisheit „Buy low, sell high“ den Schluss nahe, Aktienkäufe bei Rekordkursen seien eine Garantie für Enttäuschungen. Rekordkurse an den Aktienmärkten sind für Finanzjournalisten häufig ein willkommener Anlass, um durch den Verweis auf die Gesetze der Physik Angst zu schüren – nach dem Motto: Runter kommen sie alle. „Aktien kehren zur Erde zurück“, titelte das Wall Street Journal schon im Jahr 2012. „Bizarre Wissenschaft: Wall Street hebt das Gesetz der Schwerkraft auf“, schrieb das Magazin Barron's im Jahr 2017. Ein Reporter der Los Angeles Times äußerte sich im vergangenen Jahr ähnlich, als er auf die niedrigen Zinsen verwies, die die Aktien- und Anleihenmärkte quasi schwerelos gemacht hätten. Wen solche Schlagzeilen beunruhigen, der wird wohl eher keine Aktien kaufen, wenn die Kurse gerade ein neues Allzeithoch erreicht haben. Aktien sind jedoch keine schweren Gegenstände, die durch große Anstrengung in der Luft gehalten werden müssen. Vielmehr stellen sie einen zeitlich unbegrenzten Anspruch auf Teilhabe an den Gewinnen und Dividenden eines Unternehmens dar. Jeden Tag suchen Tausende von Entscheidungsträgern in Unternehmen nach Projekten mit positiver Kapitalrendite, die nachgefragte Waren und Dienstleistungen hervorbringen. Gewiss, einige neue Ideen und Unternehmen scheitern. Doch finden sich in der Geschichte zahlreiche Belege, dass Anleger überall auf der Welt für ihr zur Verfügung gestelltes Kapital eine Rendite erhalten. Ob Höchststand oder Tiefststand, der aktuelle Aktienkurs spiegelt immer die kollektive Einschätzung der Anleger aller künftigen Erträge und Dividenden wider. Dieser Kurs wird jeden Tag angepasst, sodass sich eine positive Rendite erwarten lässt – andernfalls würde niemand eine Aktie kaufen. In Erwartung von Verlusten würden Anleger wohl nie freiwillig in Aktien investieren. Rekordkurse sollten also weder Aufregung noch Besorgnis hervorrufen, sondern Gleichmut. Wenn wir von einer Aktie eine positive Rendite erwarten, ist es nur logisch, dass sie irgendwann einen Rekordstand erreicht. Wie die Monatsenddaten des S&P 500 bis Ende 2020 zeigen, beendete der Index fast jeden dritten Monat der letzten 94 Jahre (30%) mit einem neuen Höchststand. Und in den nachfolgenden Ein-, Drei- und Fünfjahreszeiträumen konnten Anleger, die nach Rekordständen Aktien kauften, im Durchschnitt ähnlich gute Renditen erwirtschaften wie Anleger, die erst auf einen deutlichen Kurseinbruch warteten (Abbildung 1).


Aufwärts

Durchschnittliche Jahresrendite des S&P 500 Index nach Bullen- und Bärenmärkten


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Wir sind darauf konditioniert, nach einem Anstieg einen Fall zu erwarten. Dann fangen wir, an unseren Portfolios herumzubasteln. Daten legen jedoch den Schluss nahe, dass derartige Signale ein Produkt unserer Fantasie sind und unser Streben nach besseren Ergebnissen genauso gut zu schlechteren Ergebnissen führen kann. Anleger sollten beruhigt zur Kenntnis nehmen, dass Aktienkurse auf dem Weg nach oben nicht gegen die Schwerkraft ankämpfen müssen. Rekordstände bedeuten nur, dass das System genauso funktioniert, wie wir es erwarten würden.


Die Wertentwicklung in der Vergangenheit stellt keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar.

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